Die Kunst des Sich-Erklärens oder                   Das Ende der Interpretationen

Immer wieder stellen wir in unseren Paar- und Eheberatungen folgendes fest:

Gespräche in Beziehungen enden sehr häufig im Schweigen, weil sich beide Beteiligten nicht verstanden fühlen. In diesem Schweigen machen sich dann alle möglichen Interpretationen über die Gedanken und Gefühle des Partners breit, die mit der Realität nicht viel gemeinsam haben. Oft basieren diese Interpretationen auf alten Erfahrungen und Beziehungsmustern aus der Kindheit.

Das grundlegendste Element für eine gute Beziehung ist die Bereitschaft beider Partner offen, authentisch und ehrlich über ihre Gefühlslage, Wünsche und Gedankengänge sprechen zu wollen und damit von Interpretationen Abschied zu nehmen und stattdessen bei Unklarheiten nachzufragen. 

Um seine eigene Gefühlslage und Gedanken dem Gegenüber erklären zu können, ist es jedoch erforderlich, sich zuerst einmal mit sich selbst auseinanderzusetzen und über sich selbst informiert zu sein. Was ich über mich weiß, kann ich leichter vermitteln. Dann sind die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kommunikation in einer Partnerschaft gegeben:

  • jeder weiß so gut es geht über sich selbst Bescheid
  • jeder hat den Wunsch auch über den Partner Bescheid zu wissen und nicht nur Vermutungen über ihn anzustellen
  • jeder ist bereit, sich offen und ehrlich zu zeigen, d.h. sich zu erklären

Das Einüben des Sich-Erklärens nimmt deshalb in unserer Eheberatung großen Raum ein. 

Oft lernen sich Partner in der Paarberatung dadurch nochmals von ganz anderen Seiten kennen. Nämlich den Seiten, die sie jeweils dem anderen (und vielleicht auch sich selbst) bisher nicht offenbart haben. Hierzu gehören z.B. Verlustängste, Versagensängste, verborgene Sehnsüchte, eigene Schwächen, nicht erfüllte Wünsche etc. Die Gründe, warum diese Seiten dem jeweils Anderen bislang nicht offenbart wurden, sind vielfältig. Oft verhindern dies Schamgefühle oder die Befürchtung, damit beim Partner nicht willkommen geheißen und nicht mehr geliebt zu werden.


Paarberatung und Paartherapie machen es durch den geschützten Raum und die therapeutische Unterstützung oft zum ersten Mal möglich, zu seinen Gefühlen und Ängsten tatsächlich zu stehen, sich damit zu öffnen und zu zeigen. Im Alltag der Paarbeziehung wird dieses Wagnis aus Furcht vor dem bekannten Nichtverstandenwerden und daraus resultierendem Streit oft nicht gewagt bzw. umgangen.

Durch den Halt und die Begleitung im therapeutischen Rahmen ist es einfacher sich dem Partner gegenüber zu öffnen und sich diesem mit seinen Gefühlen und Ängsten zuzumuten. Mögliche Missverständnisse beim Verstehen des Gesagten, können durch unsere Vermittlung sofort geklärt und aufgelöst werden.

Gelingt es dem Paar, sich gegenseitig so zu begegnen, zeigt sich immer wieder, dass diese Offenbarungen zu einem tieferen Verständnis zwischen den Partnern führt. Und immer wieder entdeckt man sogar, dass der Partner ähnliche Gefühle versteckt gehalten hat und ist ganz verwundert, wenn man sich in ihm wiedererkennt wie in einem Spiegel.

Stetige Übung in dieser Art der Kommunikation des Sich-Erklärens innerhalb der Paarberatung führt in Beziehungen zu mehr Sicherheit und Zuversicht. Wenn das (Aus-)Üben in den Alltag übernommen wird, führt es zu erfüllenden und nährenden Erfahrungen im Miteinander.